
Nicht allein die Kraft entscheidet.
Der eine Versuch
Der Bruchtest gehört zu den klassischen Disziplinen im Taekwondo und wirkt auf den ersten Blick vergleichsweise einfach: Eine Technik wird ausgeführt und das Brett bricht – oder es bricht nicht. Doch das Ergebnis ist nur eine Momentaufnahme und zeigt kaum, wie viel eigentlich dahintersteckt. Für Meister Park Soo-Nam war der Bruchtest eine Disziplin, an der sich zeigte, wie gut ein Schüler seine Technik beherrschte.
Eine Technik für den Bruchtest musste so weit entwickelt sein, dass kein Zweifel daran bestand, dass das Brett brechen würde. Meister Park vertrat bei Prüfungen einen hohen Anspruch. War ein zweiter Versuch notwendig, konnte selbst ein erfolgreicher Bruchtest nur noch mit der niedrigsten zum Bestehen notwendigen Punktzahl bewertet werden. Schließlich war es nicht der Moment, in dem es dem Zufall überlassen werden sollte, ob der Bruchtest gelingt. Natürlich gibt es Bretter, die einfach nicht brechen. Doch bei der Durchführung lässt sich trotzdem erkennen, ob eine Technik sauber ausgeführt wurde und die Entschlossenheit da war. Der eine Versuch sollte zeigen, dass das Brett eigentlich nur noch im Kopf existiert.
Ein großer und kräftiger Mensch besitzt von Natur aus mehr Kraft als ein kleinerer oder schmächtiger Mensch. Für ihn ist es deshalb leichter, ein drei Zentimeter starkes Brett zu zerbrechen. Es ist etwas anderes, wenn beispielsweise eine kleine, zierliche Frau ein Brett von ähnlicher Stärke zerbricht. Ein zerbrochenes Brett allein sagt nicht viel darüber aus, welchen Willen jemand aufbringen musste und welche Herausforderung es für den Einzelnen bedeutet. Beim Bruchtest versucht man, die maximale Kraft in einer Technik zu entfachen. Für manche ist es eine sehr besondere Disziplin.
Kim Thanh Vo
Medienreferent der TUH