
Nach einer intensiven Trainingseinheit in der Sportschule Park.
Wer bestimmt das Niveau?
Während meiner Zeit bei Meister Park Soo-Nam lernte ich vier koreanische Studenten der Youngsan Universität kennen. Sie kamen nacheinander für jeweils etwa ein halbes Jahr nach Deutschland, um bei Meister Park ihr Auslandssemester zu absolvieren. Alle vier studierten Taekwondo. Was mich damals besonders beeindruckte, war ihr Niveau. Obwohl sie noch jung waren, beherrschten sie viele Dinge mit einer Selbstverständlichkeit, die mir außergewöhnlich erschien.
Im Training, wie ich es kenne, werden häufig viele unterschiedliche Übungen gemacht. Innerhalb einer Trainingseinheit kommen verschiedene Techniken an die Reihe, oftmals mit einer bestimmten Anzahl an Wiederholungen. Dadurch lernen Schüler viele Möglichkeiten kennen und bekommen Anregungen, was und wie sie trainieren können. Eine bestimmte Übung kann anschließend erst einige Wochen später wieder an die Reihe kommen. Wer besser werden möchte, kommt deshalb kaum darum herum, auch außerhalb des Trainings selbstständig weiterzutrainieren. Wie weit man sich entwickelt, liegt damit zu einem gewissen Teil an einem selbst. Entsprechend unterschiedlich kann auch das Niveau innerhalb einer Gruppe sein.
Die koreanischen Studenten trainierten anders. Eine Trainingseinheit mit ihnen ist mir gut in Erinnerung geblieben: Die gesamte Stunde haben wir nur Doppel-Paltung gemacht. Sie erzählten, dass in Korea teilweise über Wochen oder Monate bestimmte Übungen im Mittelpunkt standen. Die Wiederholungen wurden dabei gar nicht gezählt. Es gab nicht zehn oder zwanzig Wiederholungen und dann kam die nächste Übung. Es wurde so lange trainiert, bis man eine Technik in vielen verschiedenen Variationen ausführen konnte. Wie viele Übungen und Kombinationen allein mit dem Paltung-Chagi möglich sind, habe ich dort erst gelernt. Der Maßstab bestand darin, dass auf einer bestimmten Qualität bestanden wurde.
Eine große Vielfalt im Training kann Schülern viele Möglichkeiten zeigen, die sie anschließend selbst vertiefen können. Dadurch liegt es jedoch stärker an ihnen selbst, wie weit sie in einzelnen Bereichen gehen. Bei den koreanischen Studenten hatte ich dagegen den Eindruck, dass durch die Art, wie sie trainierten, ein gewisses Niveau einfach vorhanden war. Es macht einen Unterschied, ob man selbst entscheidet, wann etwas gut genug ist, oder ob diese Entscheidung beim Lehrer liegt.
Kim Thanh Vo
Medienreferent der TUH